Als ich vor Tagen mit meinem Sohn im Kinderwagen eine Runde durch unseren Park fuhr, wollte ich meinen Augen nicht trauen: dort, wo ein fleissig tragender Grafensteiner Apfelbaum gestanden hatte, war nur mehr ein Baumstumpf zu sehen...
Noch in diesem Herbst hatten wir die frühen und schmackhaften Äpfel nach Hause getragen. Ein lieber Freund aus der Steiermark hatte mich darauf aufmerksam gemacht, wie selten inzwischen diese Sorte geworden ist - er hatte dankbar Früchte vom Boden aufgelesen...
Unter dem Apfelbaum war eine Bank - viele der wunderbaren Früchte zerplatzen im Aufprall -
sicher, das schaute unordentlch aus.
Aber der Baum war ausserordentlich gesund und trug sehr schmackhafte Früchte.
Und da steh ich, mit einem ohnmächtigen Gefühl der Wut und des Schmerzes - und auch ein bisschen Schuldgefühl - hätte ich nicht ahnen müssen, dass meine lieben Orts- und Zeitgenossen auf solche Ideen kommen?
jetzt ist es jedenfalls zu spät -
der schöne, fruchttragende Baum ist ein Opfer des Verschönerungsvereins und seines rührigen Präsidenten(oder nennt er sich schlicht Obmann??) geworden...
Im Gemeindeamt, wo ich, spontan, am frühen Vormittag, mit meinem Sohn im Arm, vorspreche, meinem Protest, um Worte ringend, vortrage, reagiert man verlegen, aber in der Sache uneinsichtig: Wer braucht heutzutage noch einen Apfelbaum... wer pflanzt überhaupt noch einen fruchttragenden Baum im eigenen Garten...
Ich lasse mir die Telefonnummer des Verschönerungsvereinsobmanns geben, rufe an -
er verteidigt vehement seinen Standpunkt im Namen der Ordnung
niemand braucht einen Apfelbaum im öffentlichen Raum, usw.
Es ist sinnlos, der Baum der in vielen Jahren gewachsen ist, ist sauber gefällt worden.
Gleich daneben wurde irgendein Laubbaum gepflanzt, der nicht durch seine unerwünschten Früchte Ärgernis erregen wird.
.......
Wozu brauchen wir fruchttragende Bäume? Früchte kommen aus dem Supermarkt.
......
Dabei hatte meine Frau, und auch ich, schon länger angeregt, in der Nähe des Kinderspielplatzes einen Pflückgarten für die Kinder zu pflanzen - besonders Maulbeerbäume liegen uns am Herzen.
Kinder brauchen Früchte.
Nicht nur die klinisch sauberen im Supermarkt, sondern Früchte, die sie selbst wachsen und reifen sehen, anfassen und ernten können.
Vielleicht gibt es ja auch im Verschönerungsverein, im Ort, Erwachsene, die diese Wahrheit zu verstehen beginnen - im Park jedenfalls hab ich mehrere Leute getroffen, denen der Baum fehlte.
Dann ist der Apfelbaum vielleicht nicht sinnlos gestorben...
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